Köstenbauer-Briefe 1914

Marburg, am 17.9.1914    

Liebste Mitzl !                                                                       

Ich habe gerade an Dich gedacht. Wenn mir mein Mizl gleich geschrieben hat so bekomm´ ich heute Brief. Heute hätt´ ich grad Zeit gleichzeitig zu schreiben. Und auf einmal kommt einer tröstend an: Hast´ eine Zigarette, ich hab´einen Brief für Dich. Deine Frau hat geschrieben!                              

Mein liebes Mizerl, mit Freude habe ich Deine Zeilen gelesen.

Liebe Mizl, es sind 10 Dragoner nach Wien zu der reitenden Batterie gekommen. Da wäre ich gerne mitgefahren. Aber ich wurde nicht  dazu versetzt und nun habe ich einem Deine Adresse mit gegeben. Er wird einmal zu Dir kommen. Wir waren in einem Zug bei einander.

Liebe Mizl, ich habe von der Tante aus Simmering eine Karte erhalten mit der Adresse von Ferdinand. Er ist auch in Marburg bei den 47.ern und ich bin ihn schon einmal suchen gegangen. Aber er hatte gerade Schule gehabt. So lange habe ich nicht warten wollen und bin wieder nach Hause gegangen.

Liebste Mizl, schreibe mir was Du jetzt  machst, teils was neues oder was? Liebe Mizl, ich bräuchte wieder Geld, ich hab´schon wieder keines. Liebe Mizl, hast Du         schon von zuhause einen Brief bekommen? Hat der Vater die Karte erhalten, die ich geschrieben habe? Und schreib Deinem Schwager nach Hause, er soll Dir jetzt das Geld, das Du noch bekommst, schicken. Du mußt es jetzt bekommen.

Liebste Mizl, wie ich zuhause war hab´ ich halt viel Geld braucht über 3 Kronen … und das

Betreuen hat mich auch viel gekostet. Zuhause waren wir alle im Gasthaus und dort habe ich etwas bezahlt. Und ein Geld brauche ich halt, sonst habe ich keine Freude mehr.

Du weißt ja, wie ich bin, liebe Mizl. Du weißt gar nicht, wie schwer das mich ankommt, Dir um Geld schreiben. Weil ich sehr weiß, dass Du selbst nichts hast. Aber Mizl, wenn Du wirklich wenig hast, so schick lieber nichts, damit Du was hast. Und jetzt schließe mein Schreiben mit viel´ tausend Grüßen und Küssen von Deinem Mann Ludwig. Ich grüße auch die Schwägerin und alle Bekannten.

 

 

Liebste Maria!

Ich habe gerade an Dich gedacht. Wenn mir meine Maria gleich geschrieben hat, dann bekomme ich heute einen Brief. Heute hätte ich nämlich auch Zeit Dir gleichzeitig zu schreiben. Und auf einmal kommt ein Kamerad tröstend zu mir: „Hast Du eine Zigarette? Ich habe einen Brief für Dich. Deine Frau hat Dir geschrieben!“. Meine geliebte Maria, mit Freude habe ich Deine Zeilen gelesen. Liebe Maria, es sind zehn Dragoner nach Wien zur reitenden Batterie gekommen. Da wäre ich gerne mitgefahren. Aber ich wurde nicht zu dieser versetzt, und nun habe ich einem Kameraden Deine Adresse mitgegeben. Er wird einmal zu Dir kommen. Wir waren zusammen in einem Zug.

Liebe Maria, ich habe von der Tante aus Simmering eine Karte erhalten mit der Adresse vom Ferdinand. Er ist auch in Marburg beim Infanterieregiment Nr. 47 und ich bin ihn schon einmal besuchen gegangen. Aber er hat gerade Ausbildung gehabt. So lange habe ich nicht auf ihn warten wollen und bin wieder nach Hause gegangen.

Liebste Maria, schreib mir was Du so machst. Liebe Maria, ich bräuchte wieder Geld, ich habe schon wieder keines. Liebe Maria, Hast Du schon von zu Hause einen Brief bekommen? Hat der Vater die Karte erhalten die ich ihm geschrieben habe? Und schreib Deinem Schwager nach Hause, er soll Dir jetzt das Geld, das Du noch bekommen sollst, schicken. Du musst es jetzt bekommen!

Liebste Maria, Als ich zu Hause war, habe ich viel Geld gebraucht, über 3 Kronen, und das Betreuen? Hat mich auch viel gekostet. Wir waren alle im Gasthaus und dort habe ich etwas bezahlt. Und das Geld brauche ich eben, sonst habe ich keine Freude mehr. Du weißt ja wie ich bin, liebe Maria. Du weißt ja gar nicht wie schwer es für mich ist, Dir um Geld zu schreiben. Weil ich sehr gut weiß, dass Du selbst nichts hast. Aber Maria, wenn Du wirklich wenig hast, so schick lieber nichts an mich, damit Du selbst was hast. Und jetzt schließe ich mein Schreiben mit vielen tausend Grüßen und Küssen von Deinem Mann Ludwig. Ich grüße auch die Schwägerin und alle Bekannten.

Marburg, am 27.9.1914

 

Liebe Mizl !

Ich habe Deinen Brief dankend erhalten und bevor ich Dir weiter schreibe grüß´ ich Dich recht herzlich, liebste Mizl. Du schreibst mir, ich soll bald einmal zu Dir kommen. Mizl, Du glaubst gar nicht wie gerne ich zu Dir käme, aber das geht halt schwer. Weisst Du, Mizl, es

bekommt fast niemand Urlaub, der nicht einen Grund hat.

Weisst Mizl, was ich mir denken tue: ich war hier in Marburg in der Meindl-Filiale und der Leiter hat mir gesagt, dass der Herr Meindl viele ausgehoben hat. Da habe ich gedacht, wenn Du Dich schön anziehen tust und in die Fabrik gehst und tust den Portier bitten, Du möchtest mit dem Herrn Direktor reden und tust ihn schön bitten ob er nicht so gut wäre an unser Regimentskommando einen Brief zu schreiben um mich zu befreien. Dann bekomme ich gleich Urlaub auf unbestimmte Zeit. Liebe Mizl, tu einmal probieren Du wirst schon sehen, was er sagt. Wenn es bei anderen gegangen ist so wird es auch bei mir gehen. Tu ihn nur recht nett, dann geht alles. Und schreib mir gleich, was er gesagt hat.                

Und, liebe Mizl, für das Rad habe ich ihm gesagt, dass 30 Kronen kostet. Er braucht auch lange,         bis er das Rad bezahlt. Und Mizl, die Cilli hat mir auch eine Karte geschrieben.      Liebe Mizl, heute ist wieder ein schöner Sonntag und ich hab wieder Dienst. Jetzt schon drei Sonntage geh ich auf Dienst Also Mizl, tu was ich Dir geschrieben habe.  Und ich hab schon keine Zeit mehr; ich muss schon antreten und so muss ich mein Schreiben schliessen. Mit viel tausend Grüßen und Küssen von Deinem Ludvig

 

  

Liebe Maria!

Ich habe Deinen Brief dankend erhalten und bevor ich Dir weiter schreibe grüße ich Dich recht herzlich, liebste Maria. Du schreibst mir, ich soll bald einmal zu Dir kommen. Maria, Du glaubst gar nicht wie gerne ich zu Dir käme, aber das geht eben schwer. Weißt Du, Maria, es bekommt fast niemand Urlaub, der keinen Grund hat. Weißt Du Maria, was ich mir gedacht habe: Ich war hier in Marburg in der Meindl-Filiale und der Filialleiter hat mir gesagt, dass der Herr Meindl viele Männer ausgehoben hat. Da habe ich mir gedacht, dass Du Dich schön anziehen und in die Fabrik gehen könntest um den Portier zu bitten mit dem Herrn Direktor reden zu können. Ob er nicht so gut wäre an das Regimentskommando einen Brief zu schreiben um mich zu befreien. Dann bekomme ich gleich Urlaub auf unbestimmte Zeit. Liebe Maria, versuche es einfach! Du wirst schon sehen was er sagt. Wenn es bei anderen gegangen ist, so wird es auch bei mir gehen. Sei nur ganz nett zu ihm, dann geht alles. Und schreib mir gleich was er gesagt hat.

Und, liebe Maria, für das Fahrrad habe ich ihm (wem?) gesagt, dass es 30 Kronen kostet. Er braucht aber lange, bis er das Rad bezahlen kann. Und Maria, die Cilli hat mir auch eine Karte geschrieben.

Liebe Maria, heute ist wieder ein schöner Sonntag und ich habe wieder Dienst. Jetzt schon der dritte Sonntag hintereinander habe ich Dienst. Also Maria, mach was ich Dir geschrieben habe. Ich hab schon keine Zeit mehr, ich muss schon antreten und so muss ich mein Schreiben schließen.

Mit vielen tausend Grüßen und Küssen von Deinem Ludwig.

Marburg, am 30.9.1914

Liebste Mizl !            

 

Habe Deinen Brief dankend erhalten und bevor dass ich Dir weiter schreibe grüße und küsse Dich viel tausendmal.

Liebe Mizl, ich habe mich schon so gefreut, dass ich bekommen hab Deinen Brief. Was wirst Du mir wohl schreiben? Da hab ich gesehen, dass es mit meinem Urlaub nichts wird. Das macht aber nichts, gell Mizl, ich werde schon einmal kommen; aber  für immer. Dann werden uns erst gern haben und werden wir miteinander fest arbeiten. Wir werden schon das wieder hereinbringen, was wir jetzt versäumen, gell mein Alles. Dann kann ich halt sagen, wir sind glücklich.

Mein liebstes Weiberl, tu nur nicht auf die anderen Weiber auflosen. Was die sagen, das weiss ich eh selbst. Dass sie immer was zum Reden haben! Die glauben,dass wir vielleicht da in Marburg herumspazieren. Aber wir haben so viel zu tun, dass wir selber nicht wissen, was wir zuerst machen sollen.Da sind schon viele Verwundete zurück gekommen und sagen, dass dort besser ist wie in der Kaserne. Nächste Woche kommen wieder 500 Pferde von die Bauern. Dann müssen wir wieder abrichten zum Reiten. Liebe Mizl, gestern beim Ferdinand gewesen. Er ist krank; ist schon wieder besser.

Er hat Dir eine Karte geschrieben. Die Lini hat mir auch eine Karte geschrieben. Und die Tante von Simmering. Sie hat mir geschrieben, dass Du erst einmal dort warst. Du kannst ja öfter hingehen wenn Du Zeit hast.

Die Lini hat mir geschrieben, dass Du sehr brav bist. Das freut mich sehr, dass Du recht brav bist. Drum habe ich Dich noch einmal so gern. Und Frau Welfe ihrem Mann im Kriege treu bleibt und an ihn denkt, so wird der liebe Gott auf alle zwei denken und nicht verlassen.

Liebste Mitzi, dem Hinterbühler habe ich auch schon geschrieben.

Liebe Mizl, wegen dem Frisneg mag ich mich nicht ärgern, ich weiss eh wie er ist. Hier war ich gut, wie er im Spital war. Aber jetzt hat er nicht einmal einen Gruß für mich. Tu nur warten, es wird schon wieder eine Zeit kommen, wo er wieder wird Gewand brauchen. Liebe Mizl, tu mir nur alles Schreiben, was Du machst und wie´s Dir geht. Und ich schreib´ Dir auch alles, dann wirst Du Freud´ haben und auch ich. Jetzt schliesse mein Schreiben mit viel tausend Grüßen und Küssen von Deinem

Dich liebenden Mann Ludvig

Lebe wohl, mein braves Herz!                                                

 

 

Liebste Maria!

Ich habe Deinen Brief dankend erhalten und bevor ich Dir weiter schreibe grüße und küsse ich Dich tausendmal.

Liebe Maria, ich hab mich schon so gefreut, dass ich Deinen Brief bekommen habe, Was wirst Du mir wohl schreiben? Da habe ich gesehen, dass es mit meinem Urlaub nichts wird. Das macht aber nichts. Gell Maria, ich werde schon einmal wieder heim kommen – und dann für immer. Dann werden wir uns zuerst gern haben und dann gemeinsam hart arbeiten. Wir werden das schon wieder nachholen, was wir jetzt versäumen, gell mein Ein und Alles. Dann kann ich bestimmt sagen, wir sind glücklich.

Mein liebstes Weiblein, hör nur nicht auf die anderen Weiber. Was die sagen weiß ich eh selbst. Dass sie nur ja immer was zum Reden haben! Die glauben, dass wir hier in Marburg vielleicht nur herumspazieren. Aber wir haben so viel zu tun, dass wir selber nicht wissen, was wir zuerst machen sollen. Da sind schon viele verwundete zurückgekommen und die sagen, dass es dort im Feld besser ist als hier in der Kaserne. Nächste Woche kommen wieder 500 Pferde von den Bauern. Dann müssen wir diese wieder abrichten zu Reiten.

Liebe Maria, gestern bin ich wieder beim Ferdinand gewesen. Er ist krank, es geht ihm aber schon wieder besser. Er hat Dir eine Karte geschrieben.

Die Lini hat mir auch eine Karte geschrieben. Und auch die Tante von Simmering. Sie hat mir geschrieben, dass Du erst einmal bei ihr warst. Du kannst sie öfters besuchen wenn Du Zeit hast.

Die Lini hat mir geschrieben, dass Du sehr brav bist. Das freut mich sehr, dass Du so brav bist. Darum habe ich Dich auch noch einmal so gerne. Und wenn die Frau ihrem Mann im Krieg treu bleibt und an ihn denkt, so wird der liebe Gott an alle zwei denken und sie nicht verlassen.

Liebste Maria, dem Hinterbühler habe ich auch schon geschrieben.

Liebe Maria, wegen dem Frisneg will ich mich nicht ärgern. Ich weiß ja wie er ist. Hier war ich gut genug wie er im Spital war. Aber jetzt hat er nicht einmal einen Gruß für mich über. Warte nur, es wird schon noch die Zeit kommen, wo er wieder Kleider brauchen wird.

Liebe Maria, schreib mir nur alles was Du machst und wie es Dir geht. Und ich schreibe Dir auch alles. Dann wirst Du Dich freuen und ich mich auch. Jetzt schließe ich mein Schreiben mit vielen tausend Grüßen und Küssen von Deinem Dich liebenden Mann Ludwig.

Lebe wohl mein braves Herz!

 

Marburg, am 30.10.1914

Liebste Mizl !

 

(Am) Anfang meines Schreibens grüße Dich recht herzlich und gebe Dir bekannt, dass ich Deine Karte und Dein Brief erhalten habe und darin gesehen, dass Du glücklich zuhause gekommen bist.   Liebe Mizl, mir ist ja so leid, dass ich Dich nicht mehr gesehen hab.  Ich bin ausgerückt und bin um 3/4  10 Uhr zurück gekommen. Und bin gleich hinein gelaufen auf die Bahn.   Hab geglaubt, dass ich noch ein Busserl bekomm von Dir. Dabei bin ich umsonst so gelaufen. Mein Mizerl hat mich schon verlassen. Jetzt bin ich wieder ganz allein hier in Marburg. Was hilft mir Geld,  wenn ich nicht mein braves Mizerl hab. 

Liebstes Mizerl, ich bin so traurig zurück gegangen von der Bahn. In der Früh hat mir nichts gemacht, weil ich glaubt hab, ich werde Dich noch einmal sehen und dabei war nichts. Aber mein Alles, es hilft nichts, das trauern. Wir müssen uns nur das aus dem Kopf schlagen und denken, dass wir bald wieder glücklich zusammen kommen.  Liebe Mizl, schreib mir, wie Dir bei der Fahrt

gefallen hat. Über Semmering hast hinaus geschaut? Und schreib mir bald, ich weiß jetzt nichts sonst Neues. Es grüßt und küsst Dich Dein treuer Mann Ludvig.  Lebe wohl auf ein baldiges Wiedersehen.  Gute Nacht.

 

Liebste Maria

Am Anfang meines Schreibens grüße ich Dich recht herzlich und gebe Dir bekannt, dass ich Deine Karte und Deinen Brief erhalten habe und darin gesehen habe, dass Du glücklich zu Hause angekommen bist. Liebe Maria, mir tut es ja so leid, dass ich Dich nicht mehr gesehen habe. Ich bin ausgerückt und erst um ¾ 10 Uhr zurück gekommen. Und ich bin dann gleich zum Bahnhof gelaufen. Ich habe geglaubt, dass ich noch einen Kuss von Dir bekomme. Aber ich bin vergebens gelaufen. Meine Maria hat mich schon verlassen. Jetzt bin ich wieder ganz allein hier in Marburg. Was hilft mir Geld, wenn ich meine brave Maria nicht bei mir habe.

Liebste Maria, ich bin so traurig vom Bahnhof zurück gegangen. In der Früh hat mir das nichts ausgemacht, weil ich geglaubt habe, dass ich Dich noch einmal sehen werde. Aber leider war es nicht so. Aber mein Alles, es hilft nichts zu trauern. Wir müssen uns das nur aus dem Kopf schlagen und daran denken, dass wir bald wieder glücklich zusammen kommen werden. Liebe Maria, schreib mir, wie Dir die Fahrt gefallen hat. Hast Du bei der Fahr über den Semmering aus dem Fenster geschaut? Und schreibe mir bald, ich weiß sonst jetzt nichts Neues. Es grüßt und küsst Dich Dein treuer Mann Ludwig. Lebe wohl und auf ein baldiges Wiedersehen. Gute Nacht.

22.11.1914, Marburg

 

Liebe Mizl, habe Deinen Brief dankend erhalten. Und Mizl Du brachst nicht viel einkaufen.  

 

Nur eine Barchent-Hlace 1). Und fahre bestimmt, ich werde Dich erwarten. Schau, dass nicht zu spät zum Zug kommst und tu Dich gut anziehen. küsst Dich Dein Mann Ludwig.

 

 

Liebe Maria. Ich habe Deinen Brief dankend erhalten. Und Maria, Du brauchst nicht viel einkaufen. Nure eine Barchent-Hlace. Und fahre bestimmt, ich werde Dich erwarten. Schau, dass Du nicht zu spät zum Zug kommst und ziehe Dich warm an. Es küsst Dich Dein Mann Ludwig.

 

 

 

1) geschrieben  vtl. "Perhant goze". Vermutlich erbat Ludvig warme Unterwäsche oder eine Arbeitshose. Perhant bedeutet gewiss Barchent, das ist ein zumindest einseitig aufgerautes warmes Gewebe.  Goze könnte die untersteirisch ausgesprochene Variante vom noch heute bekannten Wort "Gatje=Unterhose" oder eine Verballhornung des slowenischen Worts "Hlače = Hose, Unterhose" sein, das untersteirisch etwa wie das oben geschriebene Wort "goze" klang.

26.11.1914, Marburg

 

Liebste Mizl !              

habe Deinen lieben Brief dankend erhalten. Liebe Mizl, ich muss Dir was Neues schreiben. Du darfst aber nicht weinen. Ich muss ins Feld. ist gerade ein Telegramm kommen. dass 50 alte gute Reiter hin kommen müssen und da hat mich der Major bestimmt. Er sagt, der Köstenbauer ist ein kräftiger

Mann. So, liebe Mizl! Ich kann nichts machen. Liebe Mizl, sei nicht traurig und tu fleissig in die Kirche gehn. Unser liebe(r) Gott wird mir schon helfen, dass ich wieder gesund zu Dir komm. Ich werde Dir schon immer schreiben, so oft ich kann. So mein Mizl, sei so gut und schicke mir sofort ein paar  Kronen. Weil dann kannst mir so nichts mehr schicken, weil ich so nichts bekomm. So bitte Dich, schicke mir. ist so das letzte Mal nach Marburg, damit ich mir doch etwas kaufen kann. So, liebe Mizl, ich kann Dir heute nichts mehr schreiben, weil ich zu viel aufgeregt bin. Wann ich fort fahr weiss ich noch nicht, Sonntag oder Montag? So schließe ich mein Schreiben mit viel tausend Grüßen und Küssen von Deinem treuen Mann Ludvig.

Wann ich wegfahre, werde (ich) Dir schon schreiben.

 

Liebste Maria!

Ich habe Deinen lieben Brief dankend erhalten. Liebe Maria, ich muss Dir etwas Neues schreiben. Du darfst aber nicht weinen. Ich muss ins Feld. Es ist gerade eine Telegramm gekommen, dass 50 erfahrene gute Reiter hin kommen müssen und da hat mich der Major bestimmt. Er sagt, der Köstenbauer ist ein kräftiger Mann. So, liebe Maria! Ich kann nichts machen. Liebe Maria, sei nicht traurig und gehe fleißig in die Kirche beten. Unser leiber Gott wird mir schon helfen, dass ich wieder gesund zu Dir komme. Ich werde Dir immer schreiben, sooft ich kann. So meine Maria, sei so gut und schicke mir sofort ein paar kronen. Weil später dann kannst Du mir nichts mehr schicken, weil ich dann nichts mehr bekomme. So bitte ich Dich, schicke mir etwas. Es ist das letzte Mal nach Marburg, damit ich Dir noch etwas kaufen kann. So, liebe Maria, ich kann Dir heute nichts mehr schreiben, weil ich viel zu aufgeregt bin. Wann ich fort fahren muss weiß ich noch nicht, vielleicht Sonntag oder Montag? So schließe ich mein Schreiben mit vielen tausend Grüßen und Küssen von Deinem treuen Mann Ludwig.

Wann ich wegfahre, werde ich Dir schon schreiben.



16.12.1914, Feldpostamt Nr.32


Liebe Mizl, ich gebe Dir bekannt, dass ich noch gesund und kräftig bin.


Liebe Mizl,
warum schreibst so lange nicht. Ich würde Freude haben, wieder von Dir ein
paar Zeilen zu lesen, wie es Dir noch geht. Bist wohl gesund? Ich hab Dir
schon 6 Karten geschrieben und hab noch keine Antwort bekommen. Es grüßt und küsst Dich Dein treuer Mann Ludvig. Dein letzten Gruß an alle Bekannten....
Lebe wohl mein Alles.