Kavalleristisches Reiten

Zwei Offiziere des DR5 im Rahmen einer Ausrückung
Zwei Offiziere des DR5 im Rahmen einer Ausrückung

Mythos und Nostalgie umranken heute die damaligen Pferdetruppen mit ihren farbigen Uniformen und blitzenden Helmen, Lanzen und Säbeln.

 

Wie war die Kavallerie aber wirklich? Was waren damals die Aufgaben eines Kavalleristen und die Anforderungen an sein Pferd? Und wie kann uns dieses alte Wissen heute nützen?

 

Die modernen Sportarten gingen überwiegend aus der Kavallerie hervor, haben sich aber weit vom Ursprung entfernt. Vor allem die Einzelleistung von Pferd und Reiter stehen heute im Vordergrund. Das damalige Erfordernis war jedoch die militärische Gebrauchsreiterei. Nicht eine maximale Einzelleistung war das Ziel, sondern das gemeinsame Erfüllen eines Auftrages mit dem Pferd. Das Pferd war für den Kavalleristen keinesfalls ein „Sportgerät“ oder Mittel zur Freizeitgestaltung, es war sein kostbarstes Gut. Sein eigenes Leben war von der Einsatzfähigkeit seines Pferdes abhängig.

Diese Wertschätzung, aber auch die Abhängigkeit vom Pferd, spiegelt sich im kavalleristischen Pferdeverständnis wieder, dokumentiert in alten Vorschriften.

 

Gelassenheit ist Alles

Ein wesentlicher Schwerpunkt war und ist das Gelassenheitstraining. Neben der Gewöhnung an verschiedene Geländehindernisse wird auch  die Gewöhnung an Säbel und Lanze, Fahnen, verschiedene Ziele und Musik trainiert. Sogar die Schussfestigkeit der Pferde kann durch konsequentes Training erreicht werden. Wesentlich erleichtert wird das Gelassenheitstraining dadurch, dass kavalleristisches Reiten ein Mannschaftssport ist. So lernen ängstliche Pferde von anderen ruhigeren Tieren mit einem oft überraschend schnellen Erfolg.

 

Exerzieren zu Pferd

Früher galt es tausende Pferde und Reiter koordiniert zu bewegen, was nur nach festgelegten Regeln funktionieren konnte. Für viele ReiterInnen ist dies heute unvorstellbar. Ständig hört man Aussagen wie "Mein Pferd mag keine anderen Pferde" oder "Bei meinem Pferd bitte ganz viel Abstand halten!". Und dabei war die menschliche Prägung des Pferdes über Hunderte von Jahren eine andere!

Beim Exerzieren zu Pferd hat man die heutzutage seltene Möglichkeit Pferde in ihrer Gruppendynamik zu erleben. Es beeindruckt zu sehen, wie auch einander fremde Pferde nach kurzer Eingewöhnungsphase Vertrauen zueinander gewinnen, weil sie merken, dass sie in keinen Wettstreit miteinander eintreten müssen, sondern gemeinsam eine Aufgabe erfüllen können.

 

Teamführung und Teamfähigkeit

Die Reiter bezogene Dimension des Kavallerie Reitsportes ist das "taktische Reiten", das Führen einer Reitergruppe. Führungskompetenz, Orientierungsfähigkeit, reiterliches Geschick, Zeit- und Raumgefühl des Teamleaders werden geschult. Pferd und Reiter entsprechend der jeweiligen Stärken und Schwächen einzusetzen führt letztlich das Team zum Ziel.

 

Waffenreiten

Für das Waffenreiten ist es notwendig einhändig durch Einwirkung vor allem der Gewicht- und Schenkelhilfen das Pferd im Galopp sicher und ruhig so nahe am Zielobjekt vorbeizureiten, dass man einen Treffer erzielen kann. Traditionell liegt der Schwerpunkt beim Waffenreiten in Österreich beim Säbel, international werden aber auch der Umgang mit Lanze und Pistole trainiert.

 

Reiten wie von selbst

Um die vielfältigen Aufgaben während einer kavalleristischen Aufgabenstellung erfüllen zu können muss das Reiten selbst automatisiert werden. Pferd und Reiter bilden eine Einheit. Diese Entkrampfung des Reitens durch eine auftragsbezogene Ablenkung fördert die intuitive Kommunikation mit dem Pferd und bietet einen Ausgleich zum hochkonzentrierten Reiten in modernen Reitsportdisziplinen.

 

Kavallerie-Reitsport

Es ist der Schritt zu den Wurzeln des Reitsports und der Pferdeausbildung. Insbesondere in Polen, Deutschland, aber auch in Großbritannien, Südamerika, Indien und den USA haben sich verschiedene traditionelle Reitsportarten erhalten, die nun erstmals eine Verschmelzung in einem internationalen Bewerb gefunden haben. Neben dem Überwinden von verschiedenen Geländehindernissen (wie beim Orientierungsreiten), werden auch der Einsatz von Säbel und Lanze sowie das Führen einer Abteilung gefordert. Hinzu kommt noch der Teilbewerb Formationsreiten.

 

Zeitgemäße Traditionspflege

Die Tradition der Kavallerie ist die Basis der reitsportlichen Entwicklung. Die Vorschriften und Reglements der damaligen Zeit sind Quellen Jahrhunderte alten „horsemanship“, wie man heute sagen würde. Die damaligen Kavalleristen sind dabei Vorbild dem sich anzunähern es sich lohnt. Dabei ist nicht eine museale Darstellung das Ziel sondern ein vielfältiges Erleben und Erfahren einer reiterlichen Tradition im Hier und Jetzt.  Bezüglich einer zeitgemäßen Traditionspflege hat ein alter Schweizer Kavallerist kürzlich gemeint: Traditionspflege ist nicht die Anbetung der Asche sondern das Weitertragen des Feuers“.


Weitere Informationen zu den einzelnen Abschnitten finden Sie unter "Ausbildung"